Kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL)

Diese Seite ist Teil der Dokumentation Bauprojekt HAUS21: ein Haus für das 21. Jahrhundert. Einfamilienhaus mit Büro zum Wohnen und Arbeiten, klimaneutral beheizt und gekühlt, nachhaltig errichtet zur langfristigen flexbilen Nutzung, in wesentlichen Aspekten altersgerecht und barrierefrei.

Gebäude ohne automatische Wohnraumlüftung werden zu wenig gelüftet und verschwenden dabei auch noch Energie. Da eine Lüftung dort nur durch Öffnen von Fenstern oder Türen erfolgen kann, macht man es zu selten. In der Folge steigt beispielsweise der CO2-Anteil in der Luft leicht auf Werte, die die Konzentration erschweren. Wenn dann gelüftet wird, entweicht wertvolle Wärme (bzw. im Sommer Kälte) nach draußen.

KWL: was ist das?

Bei der kontrollierten Wohnraumlüftung wird die Luft im Gebäude kontinuierlich ausgetauscht, so dass sie stets frisch ist und die Konzentration von Schadstoffen wie CO2 oder VOC (flüchtige organische Verbindungen) gering bleibt.

Das KWL-Lüftungsgerät saugt Luft von draußen an, filtert sie und führt sie durch einen Wärmetauscher, der die Wärme der Abluft auf die kühlere Zuluft überträgt (bzw. im Sommer umgekehrt).

Filterung von Pollen und Feinstaub

Gängige Lüftungsgeräte z.B. von Zehnder können mit zwei unterschiedlichen Arten von Filtern betrieben werden: G4 und F7. Das G steht dabei für Grobstaub, das F für Feinstaub. Luftfilter werden in genormte Partikelklassen eingeteilt:

  • G4: ISO Coarse 65% (filtert mindestens 60 % der Partikel ab 10 Mikrometer Größe)
  • F7: ISO ePM1 55% (filtert mindestens 55 % der Partikel ab 1 Mikrometer Größe)

Lüftungsgeräte dürfen nicht ohne Filter betrieben werden. G4-Filter dienen primär zum Schutz der Anlage. Erst F7-Filter entfernen große Mengen der allergen wirkenden zersprengten Pollenbestandteile sowie des in Städten leider gängigen Feinstaubs. Es empfiehlt sich eine Kombination aus F7 für den Zuluftfilter und G4 für den Abluftfilter.

Platzierung von Luftdurchlässen für Zuluft und Abluft

Die Belüftung erfolgt nicht raumweise, sondern pro Etage. Luftdurchlässe für die Zuluft werden dabei in Aufenthalts- und Schlafräumen in Bodennähe platziert, Abluftdurchlässe dagegen in Badezimmern, Toiletten oder der Küche in der Decke.

Luftstrom durch die Etage

Die frische Zuluft strömt somit zunächst zum Beispiel ins Schlafzimmer, unter der Tür durch in den Flur und wiederum unter der Tür ins Bad, von wo sie an der Decke abgesaugt wird. Das sorgt nebenbei für gute Entfeuchtung der Badezimmer.

Bodenluft der Innentüren und akustische Überströmelemente

Bei der Planung muss darauf geachtet werden, dass der Spalt unter der Tür (die Bodenluft) groß genug ist. Je nach Luftstrom werden etwa 1,7 bis 2,3 cm Bodenluft benötigt. Das ist deutlich mehr als die bei Innentüren üblichen 5 bis 7 mm Bodenluft und sorgt für schlechtere Schallisolation der Zimmer. Zudem kann auch Lichteinfall als störend empfunden werden, zum Beispiel im Schlafzimmer.

Der übermäßigen Bodenluft unter den Innentüren kann mit akustischen Überströmelementen entgegengewirkt werden. Solche Elemente werden meist über der Tür in die Wand eingesetzt. Sie führend die Luft durch ein Labyrinth nach außen und dämpfen dabei den Schall. Akustische Überströmelemente gibt es beispielsweise von Westaflex und Kiefer (Indusilent).

Zuluft: Wand oder Boden?

Zuluftdurchlässe werden mit Gittern abgedeckt. Sie können nicht nur im unteren Bereich der Wand angeordnet, sondern auch in den Boden eingelassen werden, was elegant wirken kann. Allerdings muss strengstens darauf geachtet werden, dass weder beim Putzen noch durch “Unfälle” Flüssigkeiten in die Zuluftdurchlässe gelangen. Uns war das Flüssigkeitsrisiko zu groß, so dass wir uns für Wanddurchlässe entschieden.

Vortemperierung der Zuluft

Zulufttemperierung durch das Erdreich

In unserem Fall wird die Außenluft nicht direkt am Haus angesaugt, sondern am Dach des Schuppens daneben. Das hat den Vorteil, dass die Zuluftleitung durch die Erde verläuft, bevor sie das Lüftungsgerät erreicht. Auf diese Weise wird die Außenluft vom Erdreich vortemperiert – im Sommer gekühlt, im Winter erwärmt.

Kühlregister und Vorerwärmer

Um zu vermeiden, dass an heißen Sommertagen trotzdem zu warme Luft ins Haus gelangt, ergänzten wir das Lüftungsgerät durch ein elektrisches Kühlregister. Ein Vorerwärmer für den gegenteiligen Fall ist im Lüftungsgerät bereits integriert.

Feuchtigkeitsanpassung mit Enthalpietauscher

Da kalte Luft wesentlich weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann als warme Luft, ist die typische Heizungsluft im Winter viel zu trocken. Die erwärmte Kaltluft von draußen enthält schlicht und einfach sehr wenig Feuchtigkeit. Im Sommer dagegen verhält es sich genau anders herum: die Außenluft enthält viel Feuchtigkeit. Wenn sie abgekühlt wird, steigt die relative Luftfeuchte schnell auf unangenehme Werte.

Zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit gibt es bei Zehnder als Option einen Enthalpietauscher, der zu trockene Raumluft im Winter und zu feuchte Raumluft im Sommer reduziert.

Fragen zur KWL

Darf man zusätzlich zur KWL noch manuell lüften?

Selbstverständlich können Fenster und Türen jederzeit geöffnet werden, man ist ja kein Gefangener des Hauses. Dabei geht natürlich Energie verloren, wie in Gebäuden ohne KWL auch.

Übertragen die Luftkanäle Schall zwischen den Räumen?

Ja, das tun sie in der Tat, weswegen man in die Leitungen Schalldämpfer einsetzt.